Ein Stadion für einen einzigen Verein

Da hat der Sportausschuss nach kurzer Sitzungsunterbrechung aber schnell entschieden. Und die Lokalpresse feiert das als großen Wurf. Ich kann den jedoch nicht sehen. Ganz am Anfang der Diskussion um einen Kunstrasenplatz ging es noch darum, allen Fußballvereinen eine Trainingsmöglichkeit für die schlechte Jahreszeit zur Verfügung zu stellen und genau dafür einen Platz zu suchen. Idealerweise ist das dann natürlich nicht der übliche Trainingsplatz eines einzelnen Fußballvereins.

Der Standort “Schulzentrum Süd” (und dort im Speziellen die nicht genutzten Tennisplätze) hatte kurz vor einer Sitzung des Sportausschuss noch eine Mehrheit, welche dann aber ohne ersichtlichen Grund in der Sitzung von einer Fraktion nicht genutzt bzw. gekippt wurde und der Standort Mindener Straße ins Spiel kam. Daraufhin legte die Verwaltung einen abenteuerlichen Vorschlag auf den Tisch mit einem Fußballplatz in Rasen- und einen in Kunstrasenausführung direkt nebeneinander und durch hohe Zäune getrennt. Platz war dafür nicht so richtig vorhanden … aber was macht das schon. Das die Kosten bzw. der Finanzierungsplan äußerst unausgegoren waren, ist dieses Konstrukt nicht weiter verfolgt worden.

Bis sich jetzt der FCO zurück meldete und plötzlich mit “nur” noch einen Kunstrasenplatz haben wollte – und einen kleinen Trainingsplatz. Naturrasen ist gar nicht mehr nötig. Aber halt, sollte der von der Stadt zu errichtende Kunstrasenplatz nicht für alle Vereine sein? Dazu heisst es im Antrag des FCO an die Stadt Bad Oeynhausen: Anlage zu TOP 7 des Sportausschuss vom 26.11.2013
… Mit der jetzt beantragten Anlage könnte unser Verein den gesamten Trainings und Spielbetrieb aller 15 Senioren-, Jugend- und Frauenmannschaften an diesem Standort zentral abwickeln. Alle von uns bisher genutzten Sportanlagen der Stadt Bad Oeynhausen würden von uns künftig nicht mehr benötigt und könnten somit anderen Fußballvereinen der Stadt zum Trainings-und Spielbetrieb zur Verfügung gestellt oder einer anderen Verwendung zugeführt werden. Die dringend erforderliche Kapazitätserhöhung wäre somit gewährleistet …
Der FCO bekommt also eine Trainingsmöglichkeit für die schlechte Jahreszeit und alle anderen Vereine dürfen ihre Rasenplätze selbst nutzen. Das finde ich doch wirklich extrem großzügig.

In der Beschlußvorlage zu TOP 6 des Ausschuss vom gleichen Tag heisst es … Bei den Finanzierungskosten wird unterstellt, dass die gesamte Investition über Kredit finanziert wird. Bei einer Zinsbindung von 20 Jahren würde mit einem Kreditzins von 3,5 % gerechnet. Insgesamt würden somit jährlich Kosten in Höhe von 177.000,00 € zu berücksichtigen sein. Folgekosten für die Unterhaltung dieser umgewandelten Sportflächen sind in dieser Summe nicht enthalten … Dabei wird von einer Finanzierungssumme von rund 2,25 Mio. € ausgegangen. In TOP 7 ist das etwas reduziert … Wenn unterstellt wird, dass eine Gestaltung der Sportanlage an der Mindener Straße mit einem Spielfeld und einem Trainingsplatz Kosten in Höhe von 1 Million Euro verursachen wird, ergeben sich hieraus folgende zukünftig jährliche Folgekosten in Form von Abschreibungsaufwand von rd. 83.340,00 € und anfänglichen Finanzierungskosten von 35.000,00 €. Auch hier ist mit einer Zinsbindung von 20 Jahren mit einem Kreditzins von 3,5 % gerechnet.
Sofern die Investitionen in 2014 umgesetzt werden, würde dies bei Betrachtung des Haushaltsplanentwurfes 2014 zu einer Nettoneuverschuldung in Höhe von rd. 680.000,00 € führen …
Es wird also irgendwo auf 1,60 Mio € und einer jährlichen Belastung um die 150.000 € hinaus laufen. Für einen einzigen Verein. Die anderen Vereine behalten ihre Rasenplätze – die sie im Winter und bei Matsch nicht bespielen können. Daher sollte es ja einen Kunstrasenplatz geben.

Wir befinden uns immer noch in der Haushaltssicherung. Alles wovon wir hier reden, sind freiwillige Leistungen. Die jährlichen Folgekosten immens. Mir ist schleierhaft, wie uns eine Kommunalaufsicht angesichts eines solchen Beschlusses einen Haushalt genehmigen soll, der nicht in der angepeilten Frist ausgeglichen sein wird. Mithin sich der Ausgleich durch diese Maßnahme weiter nach hinten verschieben wird. In Werste wurde ein Kunstrasenplatz auf städtischem Grund für 300.000 € aus Eigenmitteln errichtet. Die Nutzungsrechte für diesen Platz liegen für die nächsten 10 Jahre beim SVEW. Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch was gespielt wird. Wieviel bezahlt der FCO und wie oft dürfen dann andere Vereine den Kunstrasenplatz an der Mindener Straße nutzen?

Wir brauchen also entweder noch einen Kunstrasenplatz, oder lassen die anderen Vereine in die Röhre schauen. Ein wahrlich großer Wurf, der dem Sportausschuss da gelungen ist. Und ich rede bisher nur vom Fußball. Inwieweit werden andere Sportarten derart großzügig von der Stadt bedacht? Für 300.000 € kann man offensichtlich einen Kunstrasenplatz errichten. Am Schulzentrum Süd wäre dies auf städtischem Grund inkl. vorhandener Infrastruktur möglich gewesen. Und es hätte allen Vereinen zur Verfügung gestanden … Chance vertan!

stellv. Fraktionsvorsitzender, Vorstandssprecher im Ortsverband, seit 2008 bei den Grünen in Bad Oeynhausen und seit 2009 Mitglied im Rat der Stadt.

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