Sehr geehrte Damen und Herren,
am 9. Juli entscheiden wir im Rat der Stadt Bad Oeynhausen über die im Umweltausschuss beschlossene Abschaffung der Baumschutzsatzung.
Mit dieser Aufhebung senden wir ein fatales Signal – mitten in einer historischen Hitzeperiode. Wir bitten Sie daher eindringlich, diese Entscheidung im Stadtrat nicht zu bestätigen.
Im Umweltausschuss wurde argumentiert, die Baumschutzsatzung habe keinen einzigen Baum gerettet. Die Recherchen der NW haben diese These jedoch widerlegt: Seit 2016 wurden 838 Fällanträge gestellt – nur 454 davon wurden positiv beschieden. Das bedeutet im Umkehrschluss: 384 Bäume stehen heute noch, weil die Satzung existiert – viele davon jahrzehntealt.
Auch das Argument, kaum jemand pflanze noch Bäume, aus Sorge, sie nie wieder fällen zu dürfen, hält der Prüfung nicht stand. Die Satzung greift erst ab einem Stammumfang von 80 cm. Bis ein Baum diesen Umfang erreicht, vergehen üblicherweise Jahrzehnte. Die allermeisten Menschen, die heute einen Baum pflanzen, werden diese Grenze in ihrem Garten nie selbst erleben.
Wir schreiben Ihnen diesen Appell, während Deutschland eine der intensivsten Hitzewellen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt – mit Temperaturen von teilweise über 41 Grad und zahlreichen neuen Rekorden. Schon vor den schlimmsten Hitzetagen hat es in Deutschland nach Schätzung des Robert Koch-Instituts in diesem Jahr mehr als 800 hitzebedingte Todesfälle gegeben. Gerade jetzt erleben wir hautnah, wovor Stadtklimaforscher seit Jahren warnen: Versiegelte, betonierte Flächen heizen sich auf und geben die Hitze auch nachts kaum ab, während Bäume durch Verdunstung und Schatten spürbar kühlen, unsere Luft reinigen und unser Stadtbild prägen. Jeder einzelne große Baum, den wir in dieser Zeit fällen lassen, ist ein Verlust an Lebensqualität – gerade an den heißesten Tagen, an denen es am meisten zählt.
Bad Oeynhausen trägt besondere Verantwortung
Als Kurstadt und Gesundheitsstandort mit einem hohen Anteil älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie Kurgästen tragen wir hier eine besondere Verantwortung. Genau diese Gruppen gehören zu den Menschen, die am stärksten durch Hitzetod und hitzebedingte gesundheitliche Notfälle gefährdet sind. Ein Stadtklima, das durch weniger Bäume noch heißer wird, trifft diese vulnerablen Gruppen zuerst und am härtesten.
Ein gefällter Baum ist nicht ersetzbar
Selbst eine konsequente Nachpflanzung kann den Verlust eines gewachsenen Baumes nicht annähernd ausgleichen. Ein Baum, der 50 Jahre Zeit hatte, eine große Krone und ein tiefes Wurzelwerk zu entwickeln, leistet ein Vielfaches dessen, was ein junger Setzling in den ersten Jahrzehnten leisten kann – bei Kühlung, CO2-Bindung, Wasserspeicherung und Lebensraum für Tiere. Wer einen alten Baum fällt und einen neuen pflanzt, tauscht nicht gleichwertig, sondern verliert über Jahrzehnte hinweg spürbar an ökologischer Wirkung.
Auch europäisches Recht zeigt die Richtung
Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung (Nature Restoration Law) hat sich die Europäische Union – und damit auch Deutschland – verpflichtet, Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen, statt weiteren Verlust zuzulassen. Eine Stadt, die in dieser Zeit den kommunalen Baumschutz abschafft, bewegt sich gegen diese übergeordnete Zielrichtung, anstatt sie mitzutragen.
Unsere Bitte an Ihr Gewissen
Wir wissen, dass Fraktionsdisziplin im politischen Alltag eine Rolle spielt. Aber bei dieser Entscheidung bitten wir jede und jeden Einzelnen von Ihnen, über Fraktionsgrenzen hinweg ehrlich in sich zu gehen: Können Sie es vor sich selbst verantworten, ausgerechnet jetzt – mitten in einer historischen Hitzewelle, mit Studien, die den Zusammenhang zum Klimawandel eindeutig belegen – den Schutz unserer Bäume aufzugeben?
Wir bitten Sie, diese Entscheidung kritisch zu überdenken, damit wir auch kommenden Generationen ein lebenswertes Bad Oeynhausen übergeben.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Edler und Christian Fitte

Artikel kommentieren