Kunstrasenplatz am Stadion in weiter Ferne

Gestern wurde im Finanzausschuss in einem Nebensatz und im Gemurmel das Thema “Hockeyplatz und Kunstrasenplatz” gestreift. Nachdem im letzten Ausschuss für Stadtentwicklung im nicht öffentlichen Teil weitere mögliche Nutzungsalternativen für den Hockeyplatz vorgestellt wurden. Möbelhaus und Autohändler waren die beiden Interessenten – wie gut unterrichtete Kreise der Presse gesteckt haben. Diese Planungen kann man aber nach dem Beschluß im Sportausschuss zur weiteren Vorgehensweise in Sachen Kunstrasenplatz wohl erstmal auf Eis legen.

Die CDU (welche sich in den Tagen vor dem Sportausschuss in Gesprächen einem Kunstrasenplatz am Schulzentrum Süd nicht abgeneigt zeigte) und die SPD (deren Fraktionsvorsitzender als Vorsitzender des Ausschuss für Stadtentwicklung öffentlich seine Sympathien für einen Baumarkt auf dem Hockeyplatz äußerte) haben sich völlig überraschend und spontan darüber geeinigt, das Stadion an der Mindener Straße zu überplanen und dort unter Einbeziehung des Hockeyplatzes einen Rasen- und einen Kunstrasenplatz neu entstehen zu lassen. Naja, zumindest wird das so gesagt.

Tatsächlich ist beschlossen worden – gegen die Stimmen der Linken, der UW, der Grünen und der BBO – dass die Verwaltung die Planungskosten für ein solches Vorhaben im nächsten Sportausschuss vorstellt. Der ist im Mai. Danach müsste man entscheiden, ob man das Geld ausgibt. Und dann wird erst geplant. Wenn diese Planungen fertig sind, wird beschlossen ob es durchgeführt wird … ich schreibe hierzu lieber keine Kalenderdaten mehr auf. Jedem dürfte klar sein, dass wir uns schon jenseits von 1 1/2, eher 2 1/2 Jahren nur für eine mögliche Entscheidung befinden. Im Sportausschuss wurde von einer Realisierung bis … ja bis wann? Realisierung innerhalb von 2 Jahren war die Aussage. Äh, ja. So lange bin ich nun auch schon dabei, um das als Träumerei zu identifizieren.

Dazu kommt noch, dass Bad Oeynhausen zwar nicht mehr im Nothaushalt ist, sich aber noch in der Haushaltssicherung befindet. Und das wird auch noch ein paar Jahre so sein. In der Zeit dürfen wir gar keine derartigen freiwilligen Ausgaben stemmen. Das sieht die Verwaltung genauso. Konkret bedeutet das: in den nächsten 5 Jahren wird es nach dem letzten Beschluss im Sportausschuss keinen Kunstrasenplatz in Bad Oeynhausen geben! Und ich wette, den befürwortenden Fraktionen ist das bewusst. Das widerum kann nur bedeuten, dass so ein Platz gar nicht gewünscht ist und hier eine Verzögerungstaktik gefahren wird. Soviel zum Wollen.

Der nächste Punkt ist das Können. Es gibt sowas wie Physik und Geometrie. Da sind die Möglichkeiten zum Biegen und Brechen recht begrenzt. Jeder der Google-Maps bedienen kann, mag sich einmal die Fläche am Hockeyplatz ansehen. Daneben ist das Stadion mit Laufbahn. Wenn man nun die Fläche des Fußballfeldes nimmt und neben das Stadion projeziert … hmmm … da ist ja gar kein Platz! Richtig. Es passt nicht. Wenn man die Laufbahn, Sprungplatz usw. für Leichtathletik-Veranstaltungen behalten möchte, dann muss an der Stelle die Leiter, die alten Tennishallen, das Haus der Jugend und auch das Amarillo weichen. Egal in welche Richtung man die Plätze dreht. Danach hätte man eng gedrängt ein Stadion und einen etwas kleineren Kunstrasenplatz daneben.

Die Fußballvereine die schon jubelten, sollen noch einmal nachdenken und genau überlegen, welche Fraktionen einen umsetzbaren Beschluß vorgelegt haben, der auch finanzierbar und mittelfristig – vielleicht sogar in diesem Jahr – realisierbar ist. Oder welche Fraktionen gerade effektiv einen Kunstrasenplatz in weite Ferne rücken ließen.

Die Umwandlung der ungenutzen Tennisplätze am Schulzentrum Süd unter Einbeziehung der großzügigen Böschung ermöglicht die Anlage eines Kunstrasenplatzes in nahezu Länderspielgröße. Dadurch würden keinerlei Grundstücke in “Sahneschnitte”-Qualität im Innenstadtbereich verloren gehen. Selbst der Umbau des Ascheplatzes zur Kunstrasenspielfläche am SZ Süd ist möglich und finanzierbar. Und sogar eine Anlage eines Kunstrasenplatzes auf neuem Grund in unmittelbarer Nähe des SZ Süd ist eine gangbare Alternative. Alles günstiger und platzmäßig problemlos realisierbar. Zusätzlich bliebe das Stadion an der Mindener Straße erhalten und kann immer noch renoviert werden. Und obendrauf kann man mit dem Hockeyplatz u.U. auch noch Geld verdienen. Selbst in Oberbecksen oder auf der Lohe sind Kunstrasenplätze günstiger zu realisieren als an der Mindener Straße.

Wir schreiben das besser alles schnell hier auf, damit in 3 Monaten nicht jemand auf die Idee kommt von vornherein gesagt zu haben, dass am Hockeyplatz sowas nicht möglich ist …

stellv. Fraktionsvorsitzender, seit 2008 bei den Grünen in Bad Oeynhausen und seit 2009 Mitglied im Rat der Stadt.

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